Wer etwas größere Kites (Drachen) steigen lassen möchte, ist oft erstaunt, wie viel Zugkraft die Flugleine schon bei mittleren Windstärken aufbauen kann. Mein PL Pilot mit ca 4m² Segelfläche macht mir bei Windgeschwindigkeiten über 25 km/h keine Freude mehr und kann zum kraftraubenden Kampf werden, dem ich gelernt habe, aus dem Weg zu gehen.

Bei meinen ersten Erfahrungen im Wind mit einem der 2m² Delta Kites merkte ich schon bei 15 km/h., dass ich die Leine wegen des starken Zuges nicht mehr in der Hand festhalten wollte,  und daß das Einholen der Flugleine, wenn man den Drachen runter holen möchte, recht mühselig wird.

Ich erinnere mich gut an diesen wirklich windigen Tag. Als der Kite knappe 30m  Höhe hatte erreicht hatte, realisierte ich, dass es heute einfach stürmig war, und ich den Drachen wieder einholen würde müssen, dies aber fast nicht zu bewerkstelligen vermochte.

Der Wind zerrte so brutal an der für 300 lbs ausgelegten Flugleine aus Dactron, daß ich sie mit all meiner Kraft nicht mehr vermochte zurück auf die Spule zu wickeln. Ich hatte wirklich Angst, dass ich den Drachen nicht mehr an den Boden bekommen würde und das meine Kräfte, die Spule festzuhalten, schwinden würden, und dass ich mich gezwungen sähe, den Kite einfach los zu lassen und ihn dem Wind zu überlassen. Das jedoch wollte ich nun wirklich nicht. Nicht nur, dass es mich viele, viele Stunden gekostet hat, diesen schönen Drachen zu bauen, aber am meisten hatte ich Angst davor, was passieren könnte, wenn ich die 2m² Segel  bei einem Crash auf der Windschutzscheibe eines fahrenden PKWs wiederfinden würde, oder wenn eines der spitzen Enden mit den Fieberglassstäben einem Fußgänger ins Gesicht treffen würde. Von diesen finsteren Szenarien meiner Fantasie angespornt, kämpfte ich also weiter und schaffte es dann doch den Delta Meter für Meter wieder an den Boden zu zwingen. Meine Hände waren knallrot und mit Striemen der Flugleine gezeichnet und meine Arme fühlten sich an wie nach einem Boxkampf über 13 Runden.

Auf dem Rückweg nach Hause beschloss ich, mich gleich morgen um eine Sicherheitsausstattung zu kümmern.

 

1. Lederhandschuhe

Einfach zu bekommen. Ich habe mich für solche entschieden, die die Finger freilassen, so dass man noch Knoten in die Flugleine machen kann, die Handflächen aber beim Ziehen an der Leine schützen. 15€ gibst in jedem guten Baumarkt.

 

2. Sandanker

Wenn der Wind so stark ist, daß es keinen Spaß mehr macht die Flugleine selbst in der Hand zu halten oder wenn man, so wie ich, sich einfach lieber auf den Rücken im Sand liegen möchte,  um in den Himmel zu schauen, dann braucht man einen Anker,  an dem mal den Kite festmachen kann. Am Strand ist  das Mittel der Wahl der Sandanker. Ich habe mir einfach ein 120cm mal 120cm Quadrat aus festem Ripstop Nylon zugeschnitten. Die vier Kanten habe ich mit doppelt gefaltetem Kantenband verstärkt und an alle vier Ecken einen Nylon Gurt mit einer Schlaufe am Ende genäht. Wiegt unter 10o Gramm und  nimmt zusammengelegt kaum Platz weg. Am Strand angekommen,  lege ich das Stoffquadrat auf den Boden und fülle es mit ausreichend Sand. Fertig ist der Sandanker.

 

3. Quick Draw

Sehr gängiges Kletterzubehör. Zwei gute Karabiner mit deinem kurzem Stück super starkem Nylon Webbing mit Schlaufen an den Enden verbunden. Ich befestige einen Karabiner mit allen vier Schlaufen des Sandankers und den anderen Karabiner mit der rescue 8 und der Flugleine. Quick Draws gibst für 15€ wo es Kletterausrüstung gibt.

 

 4. Rescue 8

Auf deutsch glaube ich einfach heißt das Ding  Achter. Gehört eigentlich zu einer Bergsteigerausrüstung. Ich befestige ihn am Karabiner eines Quick Draw’s dessen anderer Karabiner am Sandanker befestigt ist. Bei viel Wind, wenn ich aufgrund des hohen Zugs keinen sauberen Konten mehr in die Flugleine bekomme, wickele ich die Leine einfach ein paar Mal und die Acht herum, so dass die Leine fest ist. Dann mache ich einen doppelten Larkshead in den unteren Teil der Leine, der jetzt nicht mehr unter Spannung steht und stülpe die Schlaufen des Larkshead´s über einen offenen Karabiner, den ich an den Quick Draw hänge. Danach löse ich die Leine wieder von der Rescue 8, so dass der Leinenzug nun auf den doppelten Larkshead geht. Ich mach das so, weil sich der Larkshead bei Bedarf schnell vom Karabiner streifen lässt und danach keinen Knoten in der Flugleine hinterlässt. Es gibt sicherlich auch noch viele andre Methoden einen Kite mit einer Leine unter Zug an einem Anker zu befestigen. Raus damit, wenn du eine kennst. Eine Recue 8 bekommt man da,  wo man Kletterausrüstung bekommt für 10€ bis 30€.

 

5. Pulley

Kommt auch vom Bergsport und der Rettungstechnik. Wird eigentlich als Teil eines Flaschenzugsystems eingesetzt,  oder um Sachen oder Personen an einem Seil, das über einen Abgrund gespannt ist, von der einen auf die andere Seite zu ziehen. Der Pully verringert dabei die Reibung mit dem Seil,  und so ähnlich setze ich die Seilrolle auch ein. Ich benutze den Pulley, an den ich noch eine Anfasschlaufe geknotet habe, um den Drachen „herunter zu laufen“ Wenn der Wind zu stark ist,  um die Leine von Hand bequem auf die Spule aufzuwickeln,  stülpe ich den Pulley nahe des Bodens über die Flugleine, so dass die Rolle auf der Leine sitzt, fasse die angeknotete Handschlaufe an und fange an, dem Drachen „entgegenzulaufen“ . Dann kann man den Kite ganz mühelos vom Himmel laufen. Pulleys gibst für 20€,  da wo es Kletterausrüstung gibt.

6. Windmesser

Eigentlich Schnickschnack. Aber weil ich eben Schnickschnack liebe,  muss ich natürlich auch einen haben. Die Segler und Windsurfer haben auch schon mal Windmeter dabei. Ich benutze ihn manchmal, wenn ganz, ganz wenig Wind ist, um rauszufinden, ob es überhaupt genug Wind gibt und es sich lohnt, den Drachen aufzubauen. Mein PL Pilot bleibt schon 6 km/h oben. Wenn es zu viel Wind gibt, macht es mir auch nicht mehr so viel Spaß, weil ich dann einfach etwas ängstlich werde und dann ziehe ich meinen Skymate Pro, um mir Gewissheit zu verschaffen, ob ich da noch fliegen mag. Meistens reicht es aber auch einfach, den nassen Finger in den Wind zu halten, und sich die Bäume anzuschauen,  um die Situation einschätzen zu können. Ein vernünftiger Windmesser kostet um die 120€ und gibt es da,  wo es Seglerausrüstung gibt.

 

Windstärken

Beaufort
m/s km/h kts mph Bezeichnung
0
0-0,2 <1 <1 <1 still
1
0,3-1,5 1-5 1-3 1-3 leiser Zug
2
1,6-3,3 6-11 4-6 4-7 leichte Brise
3
3,4-5,4 12-19 7-10 8-12 schwache Brise
4
5,5-7,9 20-28 11-16 13-18 mäßige Brise
5
8,0-10,7 29-38 17-21 19-24 frische Brise
6
10,8-13,8 39-49 22-27 25-31 starker Wind
7
13,9-17,1 50-61 28-33 32-38 steifer Wind
8
17,2-20,7 62-74 34-40 39-46 stürmischer Wind
9
20,8-24,4 75-88 41-47 47-54 Sturm
10
24,5-28,4 89-102 48-55 55-63 schwerer Sturm
11
28,5-32,6 103-117 56-63 64-72 orkanartiger Sturm
12
>32,7 >118 >64 >73 Orkan